Thema #1: der "gap"

.... die unendliche Geschichte.

Jeder Instrumentenbauer sollte darauf achten, die Innenwand seines Instrumentes größtmöglich glatt und störungsfrei zu gestalten. Jede Unebenheit stört das Reflexionsverhalten der Röhre, die Letztlich für das Klangverhalten verantwortlich ist. Plötzlich soll ein kleiner, notwendiger Spalt am Übergang zwischen Mundstück und Mundrohr eine bedeutende Rolle spielen.
Ein Beispiel, das mich überhaupt auf die Idee brachte, dieses "Problem" zu thematisieren erläutere ich in wenigen Worten:

Ein bedeutender Trompeter (sein Name tut nichts zur Sache) möchte mit mir ein Projekt starten. In der Kennenlernphase unterstrich er die Bedeutung des gaps. Er zeigte mir zwei Beispiele. Zwei Schraubstengel, gleiche Bauweise, davon einer mit gap (der Schraubstengel wird in den Receiver der Trompete eingeschraubt und steht am Mundrohr an).

Der Stengel mit gap hatte wirklich bessere klangliche Eigenschaften.

Da ich an die Wirkung des "gaps" nicht glaube, bat ich, eine Prüfung vorzunehmen.

Die äußeren Maße waren gleich; das Gewicht war gleich (Im Grammbereich); die Bohrung war gleich.

Zum Schluß prüfte ich die Stengelbohrung, und diese war, wie ich vermutete, grob unterschiedlich. Natürlich hat der Hersteller Stein und Bein geschworen, dass die Stengel gleich sind - bis auf den absichtlich "eingearbeiteten" gap.

Mein Kunde fiel natürlich aus allen Wolken, sein Weltbild brach von einer auf die andere Sekunde zusammnen. Quod erat demonstrandum :)

 

Stelle deine eigenen Überlegungen an und beteilige dich an der Diskussion.

Bis bald, Karl

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Kommentare: 6
  • #1

    Karl B. (Dienstag, 02 Mai 2017 19:54)

    Test meines Blogs. Mache ich irgendetwas falsch?
    Herzliche Grüße, Karl

  • #2

    Uwe Kleindienst (Donnerstag, 04 Mai 2017 11:08)

    Lieber Karl, ich finde deine Idee, einen neuen Blog einzuführen, und diesen mit Themen rund um das Mundstück zu füllen, sehr gut! Sicher werden "wir alle" mit der Zeit feststellen, dass es diesen Blog gibt und uns an den entstehenden Diskussionen beteiligen (aber es wird dauern bis es sich herumspricht).
    Ich habe heute zufällig beim Durchblättern deiner/eurer Website diesen Blog gefunden und habe das Vergnügen, als erster einen Kommentar zu verfassen:
    Deine Untersuchungen zu allen Feinheiten unserer Mundstücke sind extrem wichtig! Was ich sehr an deiner Arbeit schätze, ist, dass du stets mit der dir eigenen Genauigkeit argumentierst (mit Maßangaben, die mehrere Stellen hinter dem Komma besitzen ;-) und diese meist geheim gehaltenen Maße für uns alle offen legst. Deine wissenschaftliche Genauigkeit kann auf ideale Weise das Gefühl ergänzen, welches wir Trompeter beim Spielen und Testen der Instrumente und Mundstücke bekommen. Zusammen mit dem Wissen um die physikalischen Zusammenhänge (die du uns vermittelst) können wir schließlich unsere professionelle Ausstattung noch viel besser (und dauerhafter) auswählen und dabei sogar einiges von unserem Taschengeld sparen, indem wir nicht jedem Werbetext mancher Hersteller oder dem Vorbild mancher "Endorser" ungeprüft glauben. Ja, verblüffend sind deine Untersuchungsergebnisse zum Thema Gap. Einmal mehr lernen wir, dass eben die in Serie gefertigten Teile (hier Mundstücke) nicht immer 100% exakt gleich sein können. Man sollte dies als Musiker im Hinterkopf haben und diejenigen Hersteller auswählen, bei denen die Genauigkeit im höchstmöglichen Bereich liegt (wie bei euch ;-) und man sollte das (maßvolle) Probieren neuer Instrumente und Mundstücke nicht als Last sehen, sondern die Freude am Neuen und Unberührten dabei empfinden. Viele Spaß also allen Kollegen am Probieren des Neuen! Beste Grüße, Uwe.

  • #3

    José (Freitag, 26 Mai 2017 11:18)

    Hallo,

    Ich habe bei meiner alten Trompete die Mundstückzwinge weiter vor schieben lassen, um den Gap auf heutigen Stand zu bringen so in etwa bei Bach-Trompeten auf 2 mm. Davor war er auf 4-5mm. Das ganze habe ich aber davor und nach der Verschiebung mit dem Messsystem BIAS ausmessen lassen und festgestellt das sich die Ansprache wesentlich verbessert hat ! Auch haben sich einzelne Resonanzen sich teils positiv und negativ verändert. Ich persönlich merke beim Spielen nicht viel, was sich dabei verändert hat ist das ich dafür, die Mundstückzwinge weiter vorne ist, den Stimmzug weiter rausziehen muss.

    Ich hoffe ich konnte damit den Blog ein bisschen einheizen ;)

  • #4

    Allerweltstrompeter (Dienstag, 13 Juni 2017 07:51)

    Lieber Karl!
    Neben Fragen wie etwa - welches Mundrohr brauche ich für welche Musik, welche Schallbechergröße aus Rot- oder Goldmessing projiziert am besten, sollte eine Trompete getempert oder tieftemperaturbehandelt werden, welcher Maschinenstock ermöglicht den besten "Flow", gibt es eine Unterrichtsmethode, welche mich bei 10min Übeaufwand täglich in 14 Tagen zum C4 bringt - ist vor allem eines entscheidend: Der Gap! Passt er, oder weicht der Konuswinkel des Stängels um 10µm von jenem des Mundrohrs ab?!

    Ich frage mich: Wie konnten Herren wie Helmut Wobisch, Josef Levora oder Adolf Holler (Namen und Orchester beliebig erweiterbar) bloß spielen, als es noch keine CNC - Fertigung und kein BIAS gab?

    Ich finde die reproduzierbare Präzision eurer Mundstücke großartig.
    Aber ob der "Gap" zu meiner Bischofshofnerin passt?
    Ich werde es wohl nie erfahren.
    Und es ist mir trotzdem einerlei!


  • #5

    Ulrich (Montag, 24 Juli 2017 13:47)

    Ich denke als relativ :-) unerfahrener Trompeter mal bloß logisch: wir müssten uns mal die Relativitätstheorie zu Gemüte führen. Frequenzänderungen und unterschiedliche Spielgefühle könnten vermutlich 100 verschiedene (gleichzeitige) Kausalursachen haben, wobei die Eine die Andere total kompensieren bzw. frequenzkurvenmäßig auslöschen könnte, sodass Minimalunterschiede wie der beim Gap, manchmal minimalst als Mit - Kausalursache wirksam sind, ein anderes Mal jedoch wieder durch die unzähligen anderen Mitursachen überdeckt sein könnten. Sicher können Herr Breslmaier und ev. auch ein Physiker, die unterschiedlichen Anteile aller denkbaren Kausalursachen quantitativ ausgezeichnet bewerten. Denkbar wäre dann obendrein, dass erfahrene Blechbläser die Wirkung eines Gaps (in welche Richtung immer) während des Musizierens sowieso schon rein INTUITIV ausgleichen bzw. neutralisieren bzw. gar nicht erst wirksam werden lassen. Ein Beispiel: ich spiele schon recht lange Jazzschlagzeug (mein bühnenreifes Hauptinstrument) und kann (allen Werbesprüchen und Markenkriegen zum trotz) mit mindestens 4 Marken - Bassdrum Fußpedalen unterschiedlicher Konstruktion und Winkel-Einstellung spielen , denn der Fuß gewöhnt sich nach kurzer Zeit um und stellt sich auf Druck und Zug neu ein. Ich hoffe, wenigstens das Beispiel "hinkt" aber :-) nicht.
    Über den Gap nachzudenken ist aber unser aller Lust an Perfektionismus und unsere Liebe zu Detail, Sache und die Sehnsucht nach Wissen und Beherrschung des Instruments - also ohnehin alles nur ein Streben, das uns Menschen adelt und das Leben ideell bereichert. Wie schön ist sowas doch in unserer aufs Materielle ausgerichteten Zeit !
    LG Uli Hejsek, Wien

  • #6

    Martin (Freitag, 04 August 2017 14:26)

    Lieber Karl, es hat 35 Grad im Schatten und Du und Dein Team haben immer ein offenes Ohr. Egal worum es geht - man fühlt sich von Euch super betreut DANKE. GAP war für mich nie ein Thema - aber die erklärenden Worte heute haben mir wieder gezeigt wie wenig ich mich doch damit beschäftige. Daher nur so viel -... ich freu mich auf die heute "vorgestellte" neu entwickelte Version und freue mich - Dir dann rein die persönliche Spielerfahrung berichten zu dürfen, denn es gibt nix Schöneres, als die Vielfalt mit Musik & Klang mit Dir zu diskutieren. lg Martin